Wellington nach Kaikoura

Tschüss Nordinsel, tschüss Wellington. Welche Abenteuer und Landschaften erwarten uns wohl auf der Südinsel? Wenn man Neuseeland-Reisende und Neuseeländer befragt, erhält man zum Thema Nord- vs. Südinsel sehr unterschiedliche Auskünfte. Mal liegt der Norden vorne, mal steht der Süden höher im Kurs – eine echte Entscheidungshilfe ist das bei der Reiseplanung sicher nicht. Also plant man besser reichlich Zeit ein und guckt sich beide Inseln an. Oder macht – sondes, von mittelstarkem Wellengang begleitet, was aber keine Opfer in unserer Gruppe zur Folge hatte und die Fische in der Cookstrait ungefüttert blieben. wie ich für meinen Neuseeland-Start – eine schnelle Rundreise, denn diese führt dann über beide Inselteile und somit auch über die Südinsel. Von Wellington aus machte sich unsere Gruppe heute dann mit der Interislander-Fähre auf den Weg von Wellington nach Picton. Die Überfahrt war, natürlich auch aufgrund des starken WiSobald wir in den Marlborough Sound einfuhren, glätteten sich die Wellen, die Wolkendecke riss auf und die Südinsel eröffnete uns einen Blick auf Fjord ähnliche Landschaften mit dichten Wäldern und schönen Ferienhäusern, direkt am Wasser. Und dann der Hafen von Picton, der fast schon an Nizza erinnert, mit Palmen und schönen Yachten sowie einer Bergkulisse im Hintergrund. Und natürlich mit jeder Menge Sonne!

Was sonst gibt es über die Südinsel zu sagen? Delfine: ja. Pinguine: noch nicht. Seehunde: ja. Letztere lungern in großen, mittelgroßen und kleinen Kolonien an den felsigen Stränden herum und lassen sich bereitwillig fotografieren, was ich reichlich genutzt habe, denn so nah bin ich Seehunden noch nie in freier Wildbahn gekommen. Muss man ehrlich auch nicht, die Genossen riechen so, als ob sie seit Jahren kein Wasser gesehen haben. Wenn man nicht wüsste, dass sie viel Zeit im und unter Wasser verbringen, könnte man sich darüber beschweren. Außerdem lassen einen Seehunde ohnehin nicht ohne weiteres ganz nah an sich heran und beißen können die wohl recht kräftig, wie unser Guide anmerkte. Direkt neben der Küstenlinie zieht sich ein einspuriges Schienenband, das sogar genutzt wird. Zum einen für den Güterverkehr und dann auch für Personenzüge. Endlich mal ein funktionierendes öffentliches Nahverkehrskonzept in Ozeanien.

Landschaftlich überrascht die Südinsel fast noch mehr als die Nordinsel, wenn man nicht schon diese überraschenden Wechsel gewohnt wäre. Auf highlandähnliche Berge und Hügel folgen Schwarzwald und plötzlich wieder tropische Küste mit steinigen Ufern und Seehunden. Dazu erhebt sich plötzlich rechts von uns eine Bergkette, die den Alpen nicht unähnlich ist und trefflicherweise daher auch Southern Alps heißt. Der höchste Gipfel dort ist über 3700 Meter hoch und auch ansonsten sind die Alpen der südlichen Hemisphäre ein Superlativ für sich, alleine schon was ihre Ausdehnung angeht. Da die Lichtverhältnisse besser sind, werden hier übrigens auch die meisten Werbespots und Werbefotos für alpine Produkte geschossen. Böse Zungen der Branche behaupten ja, dass es vor allem die attraktiven Flüge nach Neuseeland sind, die hier den Ausschlag geben – aber wer würde hier schon Urlaub mit Arbeit verbinden wollen? Jedenfalls schmuggeln sich zwischen diese Landschaften dann und wann große Weinberge, die zumeist in Sauvignon Blanc oder Pinot Gris bzw. Grigio enden, ab und an sogar in Riesling. Einen davon haben wir uns dann genauer angeschaut, weil hier besonders nachhaltig und erfolgreich Wein angebaut wird. Süße kleine Schafe halten die Rasenflächen kurz, selten Vögel erledigen die Schädlingsbekämpfung und Hühner sorgen für das Auflockern der Erde. Die Weine gewinnen seit vielen Jahren Preise, ebenso wie der Betrieb an sich: ob für das beste Mitarbeiter-Klima oder die innovativsten Ideen, bei Yealands ist vieles anders als anderswo.

Dann endlich Kaikoura, der Ort, auf den ich mich (fast) am meisten gefreut habe, denn er ist mir aus Frank Schätzings „Der Schwarm“ sehr gut in Erinnerung. Weite Teile des Romans spielen hier und auf einmal bekommt Kaikoura konkrete Formen, Farben, Landschaften und Menschen. Es ist schon ungefähr so, wie ich es mir vorgestellt habe, nur noch viel schöner. Aber auch grausam. Die heutige Schutzzone für Wale beginnt dort, wo dereinst Wale grausam geschlachtet wurden. Davon zeugen Schienen direkt am Wasser und Gebäude und man kann sich das grausige Gemetzel in der flachen Bucht nur allzugut vorstellen. Nur gut, dass Kaikoura heute konsequent den anderen Weg geht und Whale- bzw. Dolphin-Watching anbietet und zeigt, wie schön und schützenswert diese Tiere sind. Und schon sind wir beim Wermutstropfen der Südinsel: unser Guide hat mich zu spät auf die Events gebucht und so sehe ich leider weder Wale, noch kann ich – wie geplant – mit Delphinen schwimmen und tauchen. Aber ich bin nur halbwegs enttäuscht, denn ich komme wieder – dies sind ja nur meine Einführungstage und so werde ich mir viel Zeit für Kaikoura nehmen und vielleicht sogar mal ausprobieren, wie es so auf einem Surfboard ist. Eine gute Nachricht immerhin: ich kann ausschlafen und anschließend in der Dusky Lodge, wo wir untergebracht sind, im Hot Tub rumlungern, was ich heute Abend schon ausreichend getan habe. Entspannen kann man nie genug.

Wellington nach Kaikoura