Frisbee Golf und mehr in Wanaka

Immer tiefer hinein in die Bergregion Neuseelands treibt uns unsere Rundreise. Noch vor fünf Jahren war Wanaka ein verschlafenes Nest und wenn man es mit Queenstown vergleicht, ist es das sicher immer noch. Dennoch ist die Stadt stark gewachsen und das vor allem wegen der tollen Lage und der daraus resultierenden touristischen Möglichkeiten. Geschickt hat man sich von Queenstown und den Extremsportarten und dem Adrenalinkick distanziert, ohne letzteren allerdings gänzlich aus den Augen zu verlieren. Ganz im Gegenteil. Auch in Wanaka kommen Freunde des gehobenen Adrenalinspiegels auf ihre Kosten, sei es bei diversen Wassersportarten auf Lake Wanaka, oder aber in der Luft bzw. den angrenzenden Bergen. Letzteres vor allem im Winter, wenn rings um Wanaka und zum Teil sogar bis in die Stadt hinein Schnee liegt. Wir hatten den wohl sonnigsten und windstillsten Sommertag erwischt, den Wanaka in diesem Jahr zu bieten hatte und so ging für mich nicht nur ein lang gehegter Traum in Erfüllung, er wurde sogar von strahlendem Sonnenschein und einem unvergleichlichen Fernblick begleitet. Bevor ich das Rätsel löse, was zu diesem Zeitpunkt für alle Facebook-Mitleser schon keines mehr ist, erzähle ich aber noch ein wenig von Wanaka und was man dort so alles erleben kann.

Da Wanaka der aktuelle Wohnort unseres Tour-Guides ist, kennt er sich dort natürlich wie in seiner Westentasche aus. Was aber eigentlich bisher pefür sämtliche Orte und Regionen gilt, die wir besucht haben. Überhaupt ist die Reise mit Haka-Tours bisher aus meiner Sicht perfekt verlaufen. Das gilt für die Organisation gleichermaßen, wie für die Übernachtungen und auch die Auswahl der Ziele, die wir besucht haben. Gerade schreibe ich direkt vom Franz Josef Gletscher, dazu aber dann morgen mehr, denn bis auf die Unterbringung und das Abendessen kann ich hier noch nicht viel sagen. Ich könnte höchstens verraten, dass Franz Josef nur ungefähr ein Hundertstel so groß ist, wie der Zentralfriedhof von Chicago, aber dafür auch huntertmal so tot. Hier ist im Umkreis von zwei bis drei Stunden mit dem Auto einfach nichts. Und es regnet fast immer, was den Aufenthalt hier nicht gerade angenehmer macht. Da darf ich mich über meine Kindheit im vierhundert Seelen Dorf in der Eifel echt nicht mehr beschweren. Eine erneute Lektion in Demut, ich nehme sie gern an und bedauere hiermit offiziell alle Jugendlichen, die hier aufwachsen dürfen oder müssen – irgendwie trifft ja beides zu. Zurück nach Wanaka also, wo wir gestern von unserem Tour-Guide überrascht wurden. Die Spannungskurve hin zum Höhepunkt wurde von ihm über den gesamten Tag hin künstlich aufgebaut und mit allerlei seltsamen Anspielungen untermauert, die aber irgendwie alle keinen Sinn ergaben – zumindest aus meiner Sicht nicht. Als er dann eine Tasche in den Bus stellte und meinte, es ginge auf eine Art Platz, wo man sich körperlich bis sportlich betätigen müsse, war das Rätsel komplett, aber die Fragezeichen in den Gesichtern aller Teilnehmer umso größer. Bei meinem See-Spaziergang gestern hatte ich eine interessante Sportart gesehen, die mir auf Anhieb gefiel, die ich aber eher als Touristen-Attraktion in Queenstown angesehen und als Alternative zum Minigolf eingeschätzt hatte. Die Rede ist von Frisbee Golf. Dabei wirft man von einer Abwurfzone aus, ähnlich wie beim Golf, eine Frisbeescheibe in Richtung eines Fangkorbes. Die Regeln sind ansonsten genauso simpel wie beim Golf, nur dass es viel einfacher ist, der Rasen nicht so hübsch sein muss und man mit den bunten Scheiben und den lässigen Shorts einfach auch cooler aussieht. In Neuseeland wird Golf übrigens umgangssprachlich „Whack-Fuck“ genannt: Zunächst haut man den Ball mit dem Schläger weg (whack) und anschließend stößt man ein herzhaftes „FUCK!“ aus, weil der Ball doch nicht dahin gegangen ist, wo man ihn gerne gehabt hätte. Das sieht mit Frisbees übrigens nicht unbedingt anders aus, auch wenn ich viel über die unterschiedlichen Frisbees (analog zu Golfschlägern mit durchaus differierenden Flugeigenschaften) gelernt habe. Diese waren dann auch der Inhalt des Koffers und so spielten wir ein paar Körbe und allen aus der Gruppe hat das unfassbar großen Spaß bereitet. Ich bin derart begeistert, dass ich in Deutschland definitiv Ausschau nach Frisbee-Golf halten und zur Not selbst einen Platz dafür finden werde.

Was man in Wanaka sonst noch machen kann: Wassersport. Von Wakeboard bis Jetski ist hier alles möglich. Der Vorteil im Gegensatz zu Queenstown: Lake Wanaka liegt schöner, es ist ruhiger und für meinen Geschmack sind die Menschen freundlicher. Zudem gibt es gute Restaurants und das Preisniveau ist noch nicht ganz das von Queenstown. Wen es nicht aufs Wasser zieht, der kann ein anderes Element erkunden. Die Luft. Entweder durch bewusstes Einatmen der selbigen bei ausgedehnten Spaziergängen oder Wanderungen, oder aber durch einen Sprung aus 12.500 Fuß Höhe beim Skydiving. Getreu dem Motto „Strap yourself to a beautiful stranger.“ (was ganz klar auf Frauen als Zielgruppe ausgelegt ist) springt man nicht alleine, sondern im Tandem-Sprung. Und damit ist doch eigentlich klar, was ich gemacht habe. Nachdem ich mich am Gummiseil in eine Schlucht gestürzt habe, nun also der freie Fall für gut 30 Sekunden aus dem Flugzeug heraus. Nun die Frage, die mir seither ständig gestellt wird: Was ist waghalsiger? Bungee oder Fallschirmspringen? Ich sage, dass man beides nicht miteinander vergleichen kann. Bungee war für mich die größere Herausforderung, wenn man so möchte. Man nimmt die Höhe bzw. die Tiefe bewusster war, erfasst alles in 3D und ist diese Höhe auch gewohnt. Beim Fallschirmspringen ist die Höhe fast schon unrealistisch, man kann die Konturen unter sich nur erahnen, aber das Gehirn sagt nicht dauernd „Alarm, Alarm!“, sondern man fliegt dem Boden entgegen und es ist ein tolles Gefühl, wenn der Wind laut in den Ohren rauscht, der kalte Wind vom freien Fall erzeugt ins Gesicht schlägt und der Blick über die endlosen Horizonte, schneebedeckten Berge und die grünen Wiesen sowie die smaragdblauen Seen unter sich schweift. Zuviel Input fast schon, dazu dieses überwältigende Gefühl, endlich doch den Vögeln ebenbürtig zu sein … es ist nicht so ein lebensveränderndes Kick-Gefühl, wie beim Bungee, aber es ist dennoch ein Kick. Und zwar einer, der mir sagt, dass ich mich definitiv mit dem Thema Fallschirmspringen in Deutschland näher auseinandersetzen werde, sofern ich mir dieses Hobby leisten kann. Damit bin ich nicht alleine, denn alle mit mir gesprungenen Teilnehmer möchten mindestens noch einmal springen, oder aber – so wie ich – eine Freefall-Licence machen. Ich hatte allerdings etwas mehr Glück als die anderen Mitspringerinnen, denn ich durfte meinen Fallschirm zeitweilig alleine steuern. Bitte über all meine Erzählungen nicht vergessen, dass es ein strahlend blauer Sommermorgen ohne jedwede Wolke war – das verstärkt den Eindruck noch. Kein Wunder, dass Skydiving in Wanaka als das Nonplusultra in Neuseeland gilt. Ich würde es jederzeit wieder tun und sofern ich mich noch ein wenig auf der Südinsel aufhalte, werde ich es auch wieder tun. Zur Belohnung habe ich mich mit einem Hoodie (einem Kapuzenpulli, Anm. d. Autors) und einer Film- und Foto-DVD belohnt. Mir fallen nur neuseeländisch-angelsächsische Superlative ein: Awesome! Sweet as! Yeah Yeah!

Morgen melde ich mich dann vom Gletscher. Hoffentlich spielt das Wetter einigermaßen mit, denn bei rund 75% Regentagen, gemessen an der Gesamtzahl aller Tage, ist die Wahrscheinlichkeit nach einem trocken-sonnigen Tag wie heute recht groß, dass es morgen halt eben regnet. Bewölkt wäre noch okay, dann sieht man den Gletscher. Ansonsten wird es ein trister Tag im Hostel und es ist quasi der letzte echte Erlebnistag, bevor es dann mit dem Glacier Express zurück in Richtung Christchurch geht. Dann endet die Rundreise nach sechzehn Tagen und die Gruppe trennt sich wieder. Noch habe ich keine große Ahnung, was ich dann tun werde, nur einen groben Plan – ähnlich wie in Australien. Damit bin ich gut gefahren und es trifft sich gut mit meiner Reiseplanungsfaulheit, denn ich mag mich ja treiben lassen. Ist nicht immer ganz leicht in der Praxis, aber ich weiß inzwischen, dass ich das kann. Genauso wie Bungee. Oder Fallschirmspringen. Das Leben ist schön, zumindest hier in Neuseeland.

Skydiving in Wanaka