Schwimmen mit den Dusky Dolphins

Zurück in Kaikoura, dem Ort, der aus „Der Schwarm“ von Frank Schätzing einer Vielzahl von Lesern weltweit bekannt ist. Ich hatte es bei meinem letzten Besuch hier nicht erwähnt, aber Kai steht für essen und Koura für Krabben und Hummer. Zusammengesetzt heißt das also Krabbenessen und genau das tun Delfine, Wale und Co. hier in Kaikoura. Möglich macht dies ein 2000m tiefer Graben, der ganz dicht an der Küste entlang führt und nahrungsreiches Wasser hier aufsteigen lässt. Zusammen mit de Bucht und der geringen Strömung ist das ein idealer Platz für Wale und Delfine, um zu leben und zu jagen. Über 12000 Delfine leben vor der Küste Neuseelands, hier in Kaikoura dürften es an die 1000 sein, zumeist aber sieht man nur einen Schwarm von rund 200 Delfinen, die sich in Küstennähe aufhalten und mit denen ich heute schwimmen durfte. Ich weiß, dass mich viele um dieses Erlebnis beneiden, faktisch gesehen tue ich das sogar selbst. Ich war noch nie zuvor schnorcheln und dann direkt über einem 2000m tiefen Graben mit rund zwei Meter langen Säugetieren, die vor allem für ihren Spieltrieb und ihre Ausgelassenheit bekannt sind. Heute war richtig Action, soviel kann ich schon vorweg nehmen. Und zwar in jeder Hinsicht!

Los ging es heute um 8.30h mit Encounter Kaikoura, dem „Marktführer“ für derartige Unternehmungen in Neuseeland und gleichzeitig den Pionieren. Man merkt der gesamten Crew an, dass sie vor allem eines im Sinn haben: die Delfine vor zuviel Mensch zu schützen. Entsprechend fällt das Briefing aus, das fast 30 Minuten in Anspruch nimmt und die Verhaltensregeln im Wasser auf sehr humorvolle Art veranschaulicht. Ich habe selten bei einem Demonstrationsfilm so gelacht und genau deshalb ist mit Sicherheit bei allen Mitschwimmern und auch bei mir soviel hängen geblieben. Gegen 9.30h waren wir dann alle in Neoprenanzügen und mit Flossen ausgestattet und für mich gab es sogar eine Schwimmbrille mit meiner Sehstärke – toller Service, das hat mir im Wasser wirklich geholfen und ist ein weiterer Bonuspunt für Encounter NZ. Dann folgte ein kurzer Bus-Transfer zum Hafen, wo wir auf insgesamt drei Boote aufgeteilt wurden. Ich hatte mir vom Blackwater Rafting mit den Glowworms noch gemerkt, dass man kurz vor Beginn nochmal auf Toilette sollte, denn Neopren hält Flüssigkeiten nicht nur von außen fern, es hält sie auch innen, was durchaus sehr unangenehm sein kann. Zum einen für mich selbst, zum anderen für jene, die den Anzug später reinigen müssen. Also flugs aufs Töpfchen und los ging’s mit dem Schiff. Das Meer war relativ unruhig und so bestand schon zuvor Warnung vor Seekrankheit. Generell nehme ich ja immer alles mit, was es kostenlos gibt und Seekrankheit ist ja auch umsonst, also nehme ich normalerweise reichlich davon. Noch reichlicher hatte ich allerdings im Voraus von meinen Ingwer-Tabletten genascht, die in hohem Maße gegen Reise- und auch Seekrankheit helfen. Man muss nur die Hinweise zur Einnahme beachten und schon kann die Seereise beginnen.

Unsere Fahrt mit dem Boot zu den Delfinen dauerte etwa 30 Minuten und so waren wir gegen zehn Uhr dann endlich bei den Delfinen angekommen. Zuvor passierten wir noch die Whale-Watching-Boote, mit denen ich mich morgen früh auf Tour begeben werde, und zu unserer aller und meiner besonderen Überraschung sahen wir eine Walfluke beim Abtauchen eines Wals in der Entfernung. Ich hatte meine Kamera noch nicht justiert, deshalb gibt es heute keinen Schnappschuss, ich vertraue auf morgen und die Tatsache, dass man hier eine Walsichtungsgarantie hat. Aber alleine die Fluke und damit meinen ersten Wal zu sehen, hat schon für das erste hohe Hoch des Tages gesorgt, es sollten aber noch weitere folgen. Und zwar ab dem Moment, ab dem die Sirene auf dem Boot grünes Licht fürs Schnorcheln gab. Kopf unter Wasser, Schnorchel in die Luft und ruhig durch den Mund atmen, mit den Flossen an den Füßen paddeln und durch Singen oder Geräusche oder Spiränzchen die Delfine zum Spielen und Näherkommen einladen. Wer mich kennt, weiß um meinen Mangel an Koordination und soviele Dinge auf einmal kann ich mir zum einen nicht merken und zum anderen schonmal gar nicht koordinieren. Zumindest nicht dauerhaft. Wenn man überdies im Ozean schwimmt und der Wellengang wie heute heftig ist, die Temperaturen dazu kühl-frostig, dann ist das schon auch sehr anstrengend. Aber es ist auch so unfassbar schön. Ständig schießen Delfine an einem vorbei, klicken laut, umkreisen und beobachten und sind ganz furchtbar neugierig, was wir wohl an Unterhaltungswert zu bieten haben. Zur Belohnung schießen sie meterhoch aus dem Wasser, schlagen Salti oder landen ein paar Meter entfernt klatschend im Wasser. Mir schwirrt noch immer der Kopf von so vielen Delfinen. Ich hatte meine wasserdicht Kamera beim ersten Schnorchelgang mit und konnte tatsächlich einige schöne Fotos machen, auch wenn sie unter Wasser nicht so scharf sind, wie an der Oberfläche. Doch auch da gab es einige schöne Bilder – die schönsten allerdings sind alle in meinem Kopf, denn eines habe ich nicht koordinieren können: den Knopf am Fotoapparat, wenn es mir am besten gefallen hat. Leider musste ich auch der unschönen Seite des Delfinschwimmens ins Auge sehen: Salzwasser schlucken ist keine gute Idee und so hustete ich mir erst einmal das Salzwasser heraus, was dazu führte, dass mit der nächsten großen Welle schon wieder ein Schwall in meinem Mund landete. Am schwierigsten war es aber, ruhig und gleichmäßig nur durch den Mund zu atmen, denn anders geht das ja beim Schnorcheln nicht. Als ich mich gerade also wieder eingeschnorchelt hatte, schossen zwei Delfine direkt unter mir senkrecht nach oben und vor Schreck inhalierte ich mehrere Liter kaikouranisches Meerwasser, was mir gar nicht gut bekommen ist. Ich musste abbrechen und zum Boot zurück. Dort waren schon einige Mitschwimmer mit ihren Köpfen in Eimer vertieft, da sie das gleiche Schicksal teilten. Ich war jedoch nicht gewillt, mein Frühstück einfach so gehen z>u lassen und so ließ ich einen Schwimmgang aus, um mir im dritten Schnorcheln noch einmal für ein paar Minuten die Delfine anzusehen, aber auch diesen brach ich vorzeitig ab, weil die Wellen extrem heftig waren und ich nicht auf dem Rückweg leiden wollte. Wie sich herausstellte, eine sehr gute Strategie. Von 16 Passagieren an Bord mussten 12 an die Eimer bzw. über die Reling. Ich gehörte nicht dazu und konnte so auf dem Rückweg in den Hafen die Delfine beim Springen um das Boot herum beobachten und fotografieren. Manchmal ist es halt doch gut, wenn man zwar nicht koordiniert, dafür aber überlegt und vernünftig ist. Gefallen hat es allen Teilnehmern, daran besteht kein Zweifel.

Eine lustige Randnotiz, die mir ein breites Grinsen aufs Gesicht zauberte: Vor der Dusky Lodge, in der ich mein Lager nach meinem Transfer aus Invercargill über Christchurch (mal wieder, sogar mit Übernachtung) aufgeschlagen hatte, stand heute morgen ein mir sehr vertrauter schwarzer Kleinbus mit Anhänger und der markanten Beklebung. Der Haka-Tour-Bus! Eine neue Reisegruppe, die unterwegs über Nord- und Südinsel ist und ein anderer Reiseführer. Witzigerweise waren einige der Gruppe beim Delfinschwimmen mit dabei und so kam ich mit einzelnen Teilnehmern ein wenig ins Gespräch. Auch eine nette Gruppe, dieses Mal durchaus gemischter, aber ich war froh, mit „meiner“ Gruppe gereist zu sein, die mir in diesem Moment ein wenig fehlte.

Delfinschwimmen in Kaikoura