Motueka im Abel Tasman

Im Norden der Südinsel, genauer gesagt im Nordwesten, befindet sich der Abel Tasman Nationalpark. Er gilt als das Nonplusultra der Naturparke in Neuseeland und ist bei Wanderern und Kajakfahrern gleichermaßen beliebt. Die meisten Besucher des Abel Tasman halten sich wohl in der Regel in Nelson auf, aber von den Berichten unterwegs erschien mir Nelson eher als eine Light-Version von Dunedin oder Queenstown. Mit anderen Worten: viel Party, viel Nightlife, wenig Schlaf. Also habe ich mich ein Stück weiter westlich orientiert und mich in Motueka einquartiert. Das liegt noch dichter am Abel Tasman Nationalpark und da ich bisher nur mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war, schien mir das doch die sinnvollste Lösung, um den ein oder anderen Ausflug hier zu wagen. Ursprünglich bin ich von gut sechs bis sieben Tagen hier ausgegangen, weil ich schon darüber informiert war, dass viele Touren ausgebucht und Übernachtungsmöglichkeiten entlang des Great Walk im Abel Tasman meist langfristig ausgebucht sind. Mein Glück: Für morgen habe ich eine Hütte für ein Wegstück ab Awaroa in Richtung Barks Bay als Übernachtungsmöglichkeit. Somit bleibt mir das Ausleihen und Transportieren eines Zeltes, samt Isomatte und Schlafsack sowie Gaskocher erspart und ich kann mein Haupt des Nachtens auf einem richtigen Bett ablegen und bin somit hoffentlich fit für den kommenden Tag, an dem es dann von Barks Bay aus ein Stück weiter nördlich mit dem Wassertaxi geht und dann von dort aus mit dem Kajak einen ganzen Tag lang bis in die Anchorage Bay.

Mir tun meine armen Arme schon ein wenig leid, wenn ich an die Kajak-Tour denke. Normalerweise dürfen sie den lieben langen Tag einfach so herunterbaumeln und müssen selten nur etwas tragen oder tippen. Geschieht ihnen also ganz recht, wenn sie mal härter herangenommen werden und ihren Beitrag zum Gelingen meiner Reise beitragen. Immerhin habe ich mir genau diesen Trip die ganze Zeit gewünscht. Schade, dass der Abel Tasman Nationalpark nicht ein Teil der Haka-Tours-Reise war – selbst bei der 24-tägigen Tour wäre er nicht enthalten gewesen, ebensowenig wie Punakaiki mit den Pfannkuchen-Bergen, die ich leider nicht zu Gesicht bekommen habe. Das war ja schon bei den Moeraki Boulders so und auch Mount Cook habe ich nicht bestiegen. Ich habe auch viele andere sehenswerte Orte und Dinge ausgelassen, von denen ich nicht einmal weiß, dass es sie gibt, oder für die ich einfach nicht offen genug bzw. zu ignorant war. Zwei Monate Neuseeland kann man sicherlich besser planen, als ich das getan habe. Meine Reise orientiert sich an Eckpfeilern. An Dingen, die mir wichtig sind, weil ich mich lange darauf gefreut habe. Bis auf zwei Dinge habe ich diese Liste abgehakt und somit die großen Brocken erfüllt. Viele kleine Bröckchen habe ich zudem noch mit eingewoben in meinen Trip und darüber hinaus auch Dinge, die ich nicht geplant und mir noch viel weniger ausgemalt hatte. Wen das ein wenig an „Jar of Life“ erinnert, der liegt da ganz richtig. Ich versuche ja hier nicht nur zu reisen, sondern meinem Leben auch eine neue Philosophie zu geben. Die wichtigen Dinge kommen zuerst. Dann die Dinge, die einem auf dem Weg sonst noch begegnen und Freude bereiten und dann alles, was im Alltag noch Platz findet. Und merke: Wenn Du denkst, dass kein Platz mehr ist, dann ist immer noch Raum für den ein oder anderen Kaffee mit Freunden oder Menschen, die einen begleiten.

Bevor ich schließe, muss ich noch etwas los werden, was mir schon seit Wochen im Kopf herum geht. Ich reise ja hier in Neuseeland bisher nahezu ausschließlich mit dem Bus. Das wird sich wohl auf der Nordinsel etwas ändern, da ich einige Orte nur mit dem Auto erreichen kann, oder aber für mich komplett inakzeptable Umwege akzeptieren müsste. Also werde ich wohl für einige Zeit aufs Auto umsatteln. In diesem Zusammenhang beobachte ich seit meinem Eintreffen in Neuseeland schon die Spritpreise, die hier für Diesel zwischen 145.9 und 151.9 Cent variieren. Aber nicht an einem Tag, da ist es maximal ein Cent. Wenn überhaupt. Meist ist der Preis fast statisch auf 149.9 Cent festgenagelt. Da könnte man sich in Deutschland mal das ein oder andere Beispiel dran nehmen, denn was dort zuweilen innerhalb von Minuten passiert, geht auf keine Kuhhaut mehr. Es gibt wirklich gute Gründe, hier zu bleiben und Spritpreise wären sicherlich auch so ein Aspekt. Zumal ja hier wirklich alles mit dem Auto passiert. Ich mache jetzt zwei Tage lang etwas, wo kein Auto und auch sonst nichts motorisiertes hinkommt. Und auch kein Mobiltelefon, geschweige denn Internet. Kurzum: Ich bin dann mal weg (sorry Hape fürs Klauen, ich schulde Dir ein Stück Kuchen bei Heinemann).