East Cape: Gisborne nach Te Araroa

Ich kann mir all diese W-Ortsnamen (Whitianga, Wanganui, etc.) hier in Neuseeland nicht merken – sie klingen alle so ähnlich für meine europäisch justierten Ohren und Augen. Wohltuend sticht Gisborne aus dieser Masse der Ortsnamen hervor, wird aber in den meisten Reiseführern eher nicht erwähnt. Und das, obwohl Gisborne als eine der Surf-Metropolen Neuseelands gilt. Angeblich gibt es hier – neben Raglan – die besten Wellen und dazu das beständigste warme Wetter. Das ist auch dafür verantwortlich, dass in Gisborne sehr südländische Früchte gedeihen. Eine der Spezialitäten des Ortes sind Wassermelonen, die ich aus dem Garten des YHA-Besitzers selbst kosten durfte. Lecker. Ich hatte allerdings noch von meinen selbst gesammelten Brombeeren derart viele, dass ich diese dann als Frühstück mit Naturjogurth bevorzugt habe. Ein Festmahl am Sonntag – so gehört sich das, auch auf Reisen. Meine Überlegungen hinsichtlich des Wetters waren allesamt richtig – ich habe einen großen Bogen um den Zyklon geschlagen und hier im äußersten Osten Neuseelands kaum etwas mitbekommen. Es hat geregnet und gewindet und das war es auch. Der Sonntag begann dann sofort mit Sonnenschein und angenehm warmen Temperaturen – geradezu sommerlich. Kurze Hose, T-Shirt und Sonnencreme also wieder auspacken und den Rest der Sachen ins Auto einpacken und dann ab Richtung East Cape (Ostkap). Vorher noch schnell den Tank auffüllen, denn Tankstellen sind auf der Strecke zwar vorhanden, aber Sonntage sind in Neuseeland auch so eine Sache, da hat noch lange nicht alles geöffnet.

Landschaftlich ist das East Cape die schönste Region Neuseelands, die ich bisher gesehen habe. Hier gibt es kondensiert auf wenigen hundert Quadratkilometern das, was Neuseeland für mich ausmacht. Es gibt Berge (auch sehr hohe), es gibt saftige Wiesen und grüne Hügel, es gibt Wälder und Regenwälder, es gibt Steilküsten und Sandstrände sowie jede Menge Sonne. Dazu reichlich Wanderwege und frische Luft gratis. Was will man mehr? Ach ja … Toiletten gibt es hier auch an jeder Ecke, wie überall in Neuseeland. Ich sagte ja, dass das East Cape das Neuseeland-Konzentrat schlechthin ist. Eigenartig, dass sich hier kaum Touristen hin verirren. So muss man das schon nennen, denn heute habe ich stets die gleichen Menschen getroffen und in Te Araroa ist von den paar Personen dann nur noch eine handvoll übrig geblieben, hier im Hostel (es ist das einzige weit und breit) habe ich nur einen Franzosen wieder getroffen, der auch schon mit mir im YHA in Gisborne war. Das zeigt, wie wenig touristisch es hier zugeht und das wiederum ist mir sehr recht und willkommen. Selbst die Attraktionen auf dem Weg, wie die Tolaga Bay Wharf, waren trotz des traumhaften Wetters und eines Sonntags kaum besucht. So gefällt mir Neuseeland noch etwas mehr. Allerdings frage ich mich auch, was die Menschen machen, die hier am äußersten östlichen Ende des Landes leben. Es muss furchtbar langweilig sein. Mich wundert es daher nicht, dass ich hier vornehmlich Maori antreffe, oder reiche Großgrundbesitzer. Und als dann heute der Strom im Hostel ausfiel, wusste ich, was die Menschen so machen: Fernsehen. Und wenn der Strom aus ist: Löcher in die Luft starren. Geredet wird wenig, das ist etwas anders als im restlichen Neuseeland. Hier ist man lieber für sich. Ich habe ständig und überall das Gefühl zu stören.

Meine Eindrücke heute fasse ich am besten in Bildern zusammen. Es gibt hier kaum Orte, daher bestand mein Tag nur aus Autofahren, anhalten, wandern und schauen. Ich habe noch nie an einem einzigen Tag so viele wundervolle Eindrücke gesammelt, soviel zauberhaft schöne Natur gesehen. Allen voran hier in Te Araroa. Dieser Ort hat ein wenig Kapstadt in sich, auch wenn ich dort noch nicht persönlich war. Aber das Licht, die Lage und der Ozean sind durchaus vergleichbar. Nur ist hier halt nichts los und dabei hätte es dieser Landstrich wirklich verdient, mehr gesehen zu werden. Andererseits ist es auch gut, dass es so ist, wie es ist. Ich musste ja vom Bus auf das Auto umsteigen, da kein Busanbieter das Cape umrundet. Man muss geradezu froh sein, dass man nach Gisborne gelangen kann und selbst das ist ein mittelschweres Problem, wenn man aus dem Süden, also aus Wellington, reisen möchte. Dann muss man erst einmal in den Norden, nach Rotorua und dann wieder zurück nach Gisborne, über Napier. Und mit dem Bus hätte man einen weiteren Nachteil am Cape: an all den wundervollen Aussichtsmöglichkeiten könnte man nicht anhalten. Der Mietwagen hat sich voll und ganz rentiert. Und morgen geht es dann weiter, von Te Araroa nach Opotiki. Und es wird früh losgehen. Warum, das gibt es dann morgen zu lesen und sehen.

East Cape – Teil 1: Gisborne nach Te Araroa