East Cape: Te Araroa nach Opotiki

Der frühe Vogel kann mich ja eigentlich ganz gerne mal, aber heute habe ich mal eine Ausnahme gemacht und bin noch vor dem ersten Hahnenschrei aufgestanden. Und da, wo ich genächtigt habe, gab es wirklich einen Hahn und ich war wirklich vor ihm wach. Interessanterweise hat sich der Hahn auch gar nicht für die Morgenröte interessiert, ganz im Gegensatz zu mir. Und so krähte er munter los, obwohl es noch stockfinster war. Wer jetzt also wirklich denkt, dass ich hier so einen Bilderbuch-ich-leg-mal-die-Beine-hoch-Urlaub mache, der täuscht sich spätestens jetzt, gegen Ende meiner Reise (und offenbart zudem, dass er oder sie die restlichen Blogbeiträge nicht gelesen hat). Auf dem Weg nach Te Araroa hatte ich wiederholt zwei deutsche Jungs getroffen, die auch schon in Gisborne mit mir im Hostel den Sturm überstanden hatten. Von ihnen habe ich den wertvollen Tipp erhalten, dass in Te Araroa der östlichste Leuchtturm vor oder hinter der Datumsgrenze liegt – man weiß ja nie, von welcher Seite aus jemand gerade darauf schaut. Zumindest beginnt hier jeden Tag zuerst der neue Tag auf dem Festland – da gibt es wohl noch ein paar Inseln, wo das Licht schon vorher hinfällt, aber größere Landmassen, wo man sich ausstrecken kann, ohne direkt an der anderen Seite runterzufallen. Damit erklärt sich auch, warum ich so früh aufgestanden bin, naja, zu einem Teil zumindest. Denn der Weg zum Leuchtturm ist steinig und lang. Gute zwanzig Kilometer muss man bewältigen – zum Glück kommt man dort aber mit dem Auto hin, auch wenn die Straßen zum Teil sehr steinig und eng sind. Ich bin jedenfalls ohne Plattfuß zum Leuchtturm gelangt und habe noch einen Franzosen mitgenommen, der ansonsten mit den beiden anderen Deutschen reist. Wir hatten uns für den Sonnenaufgang am Leuchtturm verabredet und lustigerweise hat das sogar funktioniert. Da wir gerade fast Vollmond haben, war die Szenerie aber schon im Dunkeln äußerst spektakulär. Der leuchtende Leuchtturm, der Mond, Wolken und das Meer, dazu im Hintergrund die Berge und sogar ein paar funkelnde Sterne. Eigentlich hätte ich zu diesem Zeitpunkt schon gar keinen Sonnenaufgang mehr gebraucht, das war auch so schon toll genug.

East Cape – Teil 2: Te Araroa nach Opotiki

Kurz vor Sonnenaufgang kamen dann noch vier weitere Schaulustige, allesamt aus Deutschland – daran habe ich mich hier ja schon gewöhnt. Ich hatte aber alle Anwesenden gestern schon mehrfach getroffen und heute hat sich das auch wieder fortgesetzt, bis hin zum Zielort. Wie ich bereits ausführte, tummeln sich am East Cape nicht gerade die Touristenmassen. Nachdem ich gestern ja nur Mutmaßungen angestellt hatte, warum das so sein könnte, habe ich dann heute von einem Neuseeländer die Formel zur Lösung meiner Frage erhalten. Sie lautet: „Es gibt Orte in Neuseeland, an denen Fremde sehr willkommen sind. Und es gibt Orte, an denen das nicht so ist.“ Seine weiteren Ausführungen ergaben dann, dass das East Cape zum allergrößten Teil den Maori gehört und diese dem Tourismus gegenüber nicht wohl gesonnen sind. Verständlich, wenn man bedenkt, was die Europäer hier so alles angestellt haben. Inzwischen setzt wohl ein vorsichtiges Umdenken ein, allerdings konnte ich mir im Hostel in Te Araroa ein Bild davon machen, wie Maori das Backpacker-Business sehen. Die Besitzerin war sehr freundlich, was man von ihren sehr erwachsenen und nur auf der Couch fernsehenden Söhnen nicht behaupten kann. Wortkarg ist noch die freundliche Umschreibung. Ich war auch recht froh, dass die Nacht früh vorüber war und ich mir während meines Schönheitsschlafs keine Staublunge geholt habe. Es war das bislang dreckigste Hostel, die Küche war in einem Schuppen über den Hof und die Waschbecken im Bad mit Kalk verkrustet. Ich habe mit anderen Maori-Geschäftsmodellen leider ähnliche Erfahrungen gemacht und ein Maori selbst meinte dann auch, dass die meisten Maori nicht besonders gastfreundlich sind und sich mit sehr wenig zufrieden geben. Mir fehlen hier leider tiefere Einblicke, aber ich kann mir das schon recht gut vorstellen. Zudem wurden Maori von den Engländern zu Menschen zweiter Klasse, denn wer kein Geld hat, der hat auch nichts. Und so sieht es leider heute immer noch weitestgehend aus. Ich hatte mich dazu ja bereits ausgelassen, leider wird mein Bild immer wieder bestätigt.

Szenenwechsel. Zurück zum Leuchtturm, wo dann endlich die Sonne aufging. Nachdem wir alle schon reichlich durchgefroren waren (bis auf den Franzosen, der sich mit Zigaretten und Kaffee wach und warm hielt), wärmten die ersten Sonnenstrahlen die Seele und nach wenigen Minuten dann die höher und höher steigende Sonne auch unsere Körper. Was wir in der Dunkelheit nicht sehen konnten, waren die Berge und der weite Blick über das Meer, hin zu Inseln und weit über die Bucht. Wenn mir der kräftige Wind nicht schon ein paar Tränen in die Augen getrieben hätte, dann wäre mir sicherlich auch so die eine oder andere Träne heruntergekullert. Die Stille, dazu das Licht und diese einmalige Landschaft, sowie das Wissen um die Besonderheit dieses Ortes – das alles in eine einzige Emotion gepresst und für immer in meinem Kopf abgespeichert. Und auf Fotos festgehalten. Dummerweise war ich nur auf den Sonnenaufgang fixiert und hatte zwar für den Aufstieg über 700 Stufen zum Leuchtturm eine Kopfleuchte mit, nicht aber Frühstück, um den knurrenden Magen vor dem Abstieg zu besänftigen. Zum Glück hatte ich aber alles schon im Auto und so gab es eine leckere Brotzeit am Auto als Belohnung für den gelungenen Tagesbeginn. Ich hätte es lieber vor Ort mit einem großen Frühstück und einem leckeren Flat White zelebriert, aber fernab der Zivilisation tut es auch eine selbstgeschmierte Stulle auf die Hand.

Anschließend trennten sich dann unser aller Wege wieder: Die beiden Deutschen sowie der Franzose in einem Auto, alle anderen mit ihren eigenen Autos, so wie ich auch. Gemächlich und mit vielen (Foto-)Pausen machte ich mich auf den Weg rund um das Ostkap in Richtung Opotiki. Ich war bereits vorgewarnt, dass die andere Seite des Kaps nicht ganz so reich an Sehenswürdigkeiten und Stoppmöglichkeiten ist, wie die Gisborne zugewandte Seite. Dennoch blieben zahlreiche schöne Ausblicke, Orte und Bildmotive übrig. Vor allem die Küstenstraße mit der permanenten Aussicht auf den türkisfarbenen Pazifik war ein fortwährendes Erlebnis. Mein Reiseziel Opotiki ist sicherlich keine Besonderheit, die man erwähnen müsste – mit Ausnahme des Hostels, in dem ich hier abgestiegen bin. Das Opotiki Beach House ist klein, sauber, gemütlich und liegt direkt am Meer. Von der Küche aus blickt man auf Palmen und Pazifik und das zum Backpacker-Kurs. Hier sollten definitiv mehr Personen einen Stopp oder einen längeren Aufenthalt einlegen – ich überlege aktuell, ob ich noch eine Nacht länger bleibe und von meinem Ausflug entlang der Küste der Bay of Plenty wieder hierher zurückkehre. Das entscheide ich dann morgen, wenn ich meine weitere Reise plane und mir überlege, wie ich die weiteren Tipps der beiden Deutschen einarbeite.