Mount Maunganui statt Tauranga

Manchmal lohnt es sich, einen Blick in den Lonely Planet zu werfen. Hätte ich es nicht getan, wäre ich wohl in Tauranga gelandet und nicht in Mt. Maunganui, einem Küstenort direkt bei Tauranga. Womöglich sogar inzwischen ein Stadtteil, aber in allen Reiseführern und auch auf Ortsschildern wird es gesondert geführt sowie in Busrouten ausgewiesen – ich wage also mal zu sagen, dass es eigenständig ist. Irgendwer wird es für mich googeln, wobei mir ein lustiger Aufkleber einfällt, der kürzlich bei Facebook an mehreren Stellen auftauchte: „Denken ist wie googeln, nur krasser“. Googelt das mal. Oder denkt mal drüber nach! Jedenfalls habe ich mich aufgrund der Beschreibung im Lonely Planet dann für Mount Maunganui entschieden und mich im Seagulls Guesthouse eingebucht. Meine Hostel-Entscheidungen sind bislang nahezu jedesmal ein Volltreffer, nehmen wir mal die unrühmlichen Ausnahmen Invercargill, Christchurch (nicht die Haka-Lodge, die war okay) und Te Araroa heraus. Ansonsten hatte ich echt nur tolle Hostels und das Seagulls Guesthouse in Mount Maunganui macht da keine Ausnahme. Zwar sind die Zimmer klein, dafür sind die Betten und die Matratzen sehr gut, das Personal extrem sympathisch und alles ist picobello sauber und gepflegt. Zudem fühlt man sich in der Lodge-Atmosphäre wie zu Hause, dank Wohnzimmer, Terrasse und zahlreichen Sitzmöglichkeiten überall. Und für Back- und Flashpacker natürlich das Highlight: kostenloses WLAN! Das hilft auch noch einmal Kosten zu sparen und mir aktuell dabei, meinen Smartphone-Tarif nicht noch weiter zu belasten, immerhin muss ich noch knapp zwei Wochen mit meinem Datenvolumen auskommen. Zum Thema Mobilfunk in Neuseeland muss ich mal ein lobendes Wort über Vodafone verlieren, über die ich in Deutschland eher weniger Gutes zu sagen habe. Vielleicht sollten die deutschen Vodafone-Händler und -Vertriebler mal einen Kurs in Neuseeland belegen. Ich habe einen Prepaid-Tarif für acht Wochen, der mit Inklusivminuten und Inlusiv-SMS weltweit aufgepeppt ist und überdies 2GB Datenvolumen enthält. Und bis auf wenige abgelegene Regionen oder Überlandstrecken habe ich wenigstens immer Handy-Empfang gehabt, auch wenn der Datenverkehr durchaus zuweilen zu wünschen übrig ließ. Mir war aber wichtiger, dass ich telefonisch erreichbar war bzw. mich bei Hostels und Co. melden konnte.

Neben einem schönen Hostel hat Mt. Maunganui aber noch mehr zu bieten, zum Beispiel eben jenen Berg, nach dem die Stadt offenkundig benannt wurde. Die Kegelform sowie das Gestein deuten auf einen erloschenen Vulkan hin, den man auch erwandern kann. Zum Teil gibt es hier ganz ordentliche Rampen, die man erklimmen muss, aber meine Waden sind ja Tongariro Alpine Crossing erprobt und auch sonst schon viel gewandert, also alles kein Problem. Die Aussicht von hier oben über den Strand, Tauranga und das Meer sind atemberaubend – zudem kann man von hier aus morgens den Sonnenaufgang sehen, den ich mir dieses Mal aber nicht gegönnt habe. Einmal in der Woche muss reichen, zumal das Erlebnis am East Cape derart besonders war bzw. ist, dass ich es nicht durch einen weiteren Sonnenaufgang irgendwo verwässern wollte. Aber auch tagsüber lohnt sich eine Besichtigung, noch schöner ist es wohl aber am Abend, wenn die Sonne untergeht. So lange wollte ich wiederum nicht warten, habe jedoch bei Flickr entsprechende Bilder gefunden.

Lohnenswert ist auch der Strand von Mount Maunganui. Die Jugend Neuseelands verbringt hier ihre Zeit beim Surfen. Faktisch gesehen ist es der ideale Platz in Neuseeland, um das Surfen zu erlernen – ich habe es leider verpasst, weil ich nur einen Tag eingeplant hatte. Definitiv zu wenig für einen so schönen Ort. Zumal, da das Wetter hier eigentlich auch fast immer gut ist. Man sagt Tauranga nach, dass es die meisten Sonnenstunden der Nordinsel hat. Was mich noch beeindruckt hat, war die Freundlichkeit und Gelassenheit der Menschen hier. Wenn man beim Strandspaziergang freundlich gegrüßt oder sogar in ein langes Gespräch verwickelt wird, weiß man, dass man am richtigen Ort ist. Leider nähert sich meine Zeit in Neuseeland ihrem Ende und ich habe einen Mietwagen in Auckland vorbestellt, sonst wäre ich noch länger geblieben. So aber freue ich mich auf Auckland, mein erstes Rugby-Match und die Bay of Islands sowie Ninety-Mile-Beach.

Noch ein kleiner Einwurf zu Tauranga: Hier halten die großen Kreuzfahrtschiffe – der Hafen ist riesig und wohl mit einer der größten Umschlagplätze für die umliegende (Holz-)Industrie. Entsprechend ist auch Tauranga bei weitem keine Kleinstadt. Mit über 130.000 Einwohnern und dem großen Hafen ist es allerdings eher eine Industrie- und Arbeiterstadt, zwar auch mit schönen Ecken, aber halt nicht so malerisch, wie Mt. Maunganui.