Ein Tag in Auckland

Was macht man, wenn man einen Tag lang in Auckland ist, der heimlichen Hauptstadt Neuseelands? Das Angebot ist vielfältig und ich bin ein bisschen überrascht von Auckland. Bisher habe ich über die Stadt wenig Gutes gehört. Und wenn, dann nur von jungen Menschen, die vom Nachtleben und den damit verbundenen Exzessen geschwärmt haben. Meine Recherchen im Internet haben mich ins The Attic Backpackers geführt, das wirklich direkt im Herzen der Stadt liegt. Eben in jenem Teil, der hier als Midtown bekannt ist und wo auch der Sky Tower, das heimliche Wahrzeichen Aucklands, steht. Von hier aus hat man den klaren Vorteil, dass man zu fast allen sehenswerten Teilen der Stadt quasi laufen kann. Einen Teil habe ich mir heute angesehen und bin – endlich einmal wieder – positiv vom Lonely Planet Reiseführer überrascht. Hier in Auckland spielt er derzeit seine volle Stärke aus. Die heutige kurzweilige Stadtwanderung, die ich nur zur Hälfte gelaufen bin, war schonmal ein echtes Schmankerl und wenn ich nicht Karten für das Rugby-Spiel der Blues gegen die Cheetahs gehabt hätte, wäre ich noch weiter gelaufen. Da ich aber in Kürze für den Rückflug ohnehin noch knapp zweieinhalb Tage in Auckland sein werde, hebe ich mir noch ein paar Highlights für diese Zeit auf. Sonst wird mir am Ende meiner Reise noch langweilig und das will ich auf jeden Fall vermeiden.

Mein gesamter Tagesablauf war heute darauf ausgerichtet, das Rugby-Spiel nicht zu verpassen. Dummerweise habe ich mich dann prompt in den falschen Bus gesetzt und bin zu spät zum Spiel gekommen. Da ich ohnehin keine Ahnung von den Regeln habe, war das auch eigentlich egal. Ohnehin war ich in guter Gesellschaft, denn gut ein Drittel der Besucher kam erst kurz nach Anpfiff des Spiels. Das Spiel fand im Eden Park, dem größten Stadion Neuseelands, statt. Dort passen gute 50.000 Besucher rein, heute waren es knapp 18.000 – das Spiel der lokalen Blues gegen die südafrikanischen Cheetahs gilt nicht als das Saison-Highlight. Die Blues rangieren in der Super-15 weit oben, die Cheetahs sind abgeschlagen am Tabellenende. Erstaunlich daher, dass die Cheetahs lange Zeit gut mithalten konnten und die beiden besten Versuche hinlegten – zumindest die spektakulärsten Aktionen hatten. Rugby wird sich mir wohl nie vollends erschließen, aber dank eines Engländers, der mir heute das Spiel dolmetschte und ein paar Regeln näher brachte, bin ich nun ein Stück schlauer. Und gut unterhalten wurde ich auch.

Auckland und Rugby

Meinen Mietwagen hätte ich folgerichtig erst ab morgen gebraucht, seit gestern begleitet mich ein orangefarbener Kia. Wieder Automatik. Ich sagte ja, dass ich mich daran gewöhnen könnte und das versuche ich gerade. Die Honda-Automatik war zwar etwas besser, aber auch mit dieser hier habe ich bisher meine Freude. Zumindest auf dem kurzen Stück zwischen Flughafen und Innenstadt – immerhin auch gute zwanzig Kilometer. A propos Distanzen: Weil ich einfach zu blöde zum Lesen bin, lief ich gute drei Kilometer vom Flughafen-Gebäude zum Autoverleih. Ich hätte auch einfach den Park & Ride Bus nehmen können, der fast direkt vor die Haustür fährt. So musste ich mit meinem Marschgepäck am gut befahrenen Highway entlang laufen. Glücklicherweise gibt es aber eine Radspur, so dass der Abstand zu den Autos entsprechend war. Dennoch wieder so ein kleines, ungewolltes Abenteuer. Und wieder ein Moment, in dem ich mich über meinen Trolley-Rucksack gefreut habe, wie schon so oft auf dieser Reise. Bei langen Märschen macht sich dann bemerkbar, dass ich mein Gepäck einfach so hinter mir herziehen kann. Ich frage mich auch immer noch, warum es kaum Hersteller gibt, die derartige Lösungen anbieten – die Vorteile liegen klar auf der Hand. Womöglich reist in den herstellenden Unternehmen niemand wirklich mit den Gepäckaufbewahrungsmitteln, die dort hergestellt werden. Anders kann ich mir das kaum erklären. Aber ich kann ja deswegen jetzt nicht ein Unternehmen gründen, was derartige Produkte herstellt, auch wenn ich von der Richtig- und Notwendigkeit dieser Maßnahme vollständig überzeugt bin.

Morgen werde ich dann mit dem Auto nach Raglan fahren und mir damit mein letztes Wunschreiseziel erfüllen. Ich wollte ja eigentlich direkt in den Norden aufbrechen, aber bis Raglan sind es gerade mal 90 Minuten von hier aus. Das wäre grob fahrlässig, es nicht zu tun. Somit fahre ich dann erst montags in Richtung Norden. Das Wetter soll dann ohnehin nicht ganz so gut sein, so dass ich das schlechte Wetter zum Reisen nutzen werde. Gut möglich, dass ich dann kurzfristig meine Reiseplanung so drehe, dass ich zuerst ganz in den Norden fahre und mich dann Richtung Süden hangle – denn im Norden soll das Wetter kurzfristig besser sein. Mal schauen, wie sich das hier entwickelt – der Wettervorhersage darf man hier definitiv nicht trauen und so verfolge ich drei bis vier Wetterdienste parallel, dann hat man einen guten Querschnitt und kann sich sein eigenes Bild machen. Bisher bin ich mit dieser Planungsvariante gut gefahren, siehe meine Flucht nach Gisborne.