Paihira, Russell, Kaitaia

Man muss auch mal faul sein auf so einer Reise. Dachte ich mir so. Zusammen mit meiner holländischen Teilzeit-Reisebegleitung machte ich mich also nach dem Frühstück im Pickled Parrot Hostel zu Fuß auf den Weg zur Fähre nach Russell, die unweit des Hostels ablegt. Die Überfahrt dauert nur wenige Minuten und wird von einer Firma namens „Happy Ferry“ betrieben. Wenn der Fährbetrieb den Namen „Unhappy Ferry“ tragen würde, dann bin ich mir sicher, dass es sich einige Passagiere – mich eingeschlossen – mit der Überfahrt noch einmal überlegen würden. So war es aber wirklich eine fröhliche Überfahrt bei strahlendem Sonnenschein und frischem Wind aus Südwesten in Richtung Russell. Eigentlich wollten wir ohnehin nach Russell, dort waren aber keine Unterkünfte zu bekommen. Der Lonely Planet sagt über Russell nicht besonders viel, außer eben, dass es ein schönes altes Städtchen ist und vielleicht noch etwas ruhiger und malerischer als Paihia. Vielleicht etwas zu ruhig. Immerhin gibt es dort einen wunderschönen Strand in einer geschützten Bucht, wo wir dann zum Schwimmen und Sonnenbaden aufschlugen, bevor wir uns gegen Nachmittag dann dazu entschlossen, die Weiterreise in Richtung Kaitaia fortzusetzen. Zuvor buchten wir noch bei der i-Site in Russell eine Busfahrt von Kaitaia nach Cape Reinga, dem nördlichsten Punkt Neuseelands. Ich habe während meiner Reise noch nichts von i-Site erwähnt, daher ein paar kurze Worte dazu. Es handelt sich um keine Erfindung der Firma Apple, sondern um die Touristen-Information. In den meisten Fällen sitzen hier wirklich unfassbar nette und kompetente Mitarbeiter, die einem bei der Buchung aller möglicher Aktivitäten, bis hin zu Bustickets und Hostelbuchungen, behilflich sind. Und behilflich heißt in diesem Fall, dass die Buchung dort auch erledigt wird. Eigentlich hatten wir vor, in der i-Site dann unsere Zimmer in Ahipara in der Endless Summer Lodge zu buchen, da Kaitaia nicht als besonders hübsch gilt. Leider waren dort alle Zimmer belegt, so dass wir ins YHA in Ahipara ausweichen mussten.

Erst einmal galt es aber, gut 90 Minuten mit dem Auto über kurvenreiche Straßen von Paihira nach Ahipara zu fahren – eine wirklich abwechslungsreiche Strecke, die extrem kurzweilig ist, weil es soviel zu sehen gibt. Und weil man sich auf die Kurven konzentrieren muss. Gut, wenn man ein Navi hat, was einem die Kurven schon vorher anzeigt – da sind schon einige Kaliber dabei und nicht immer werden in Neuseeland auch die notwendigen Schilder aufgestellt, um vor einer engen Kurve zu warnen. Dafür stehen dann an einer anderen Kurve die doppelte Anzahl Schilder, wo es nicht einmal notwendig gewesen wäre, ein Schild allein aufzustellen. In Ahipara angekommen suchten wir zunächst noch einmal die Endless Summer Lodge auf, um vor Ort nach Schlafgelegenheiten zu fragen. Manchmal gibt es Absagen und zuweilen ist es sinnvoll, direkt vor Ort nach einem Zimmer zu fragen. Leider dieses Mal ohne Erfolg. Also zurück zum YHA, was von außen überhaupt nicht einladend aussieht, sich in den Zimmern aber als durchaus ansehnlich präsentiert: angegliedertes Badezimmer mit Dusche und WC sowie zwei frische Handtücher pro Person – das ist schon absoluter Luxus. Sauber ist es auch und es gibt kostenloses WLAN, damit bekommt man uns Backpacker ja irgendwie immer. Dem jungen Sizilianer in unserem Raum hätte ich bei längerem Aufenthalt sicher auch erklärt, wie das mit der Dusche und der Seife sowie dem anschließenden Deo funktioniert, so war es egal, da wir am nächsten Morgen ohnehin schon recht früh wieder auf den Beinen sein mussten, da unser Bus von Kaitaia nach Cape Reinga gegen neun Uhr abfahren würde und wir ja noch auschecken und gut zwanzig Minuten von Ahipara nach Kaitaia fahren mussten.

Wie wenig an dem Tag passiert ist, lässt sich auch in Bildern messen. Gerade mal eine handvoll Fotos sind entstanden, die meisten davon zeigen die älteste noch in Betrieb befindliche Tankstelle Neuseelands. Aber wie ich schon eingangs sagte: Nicht jeder Tag kann so ereignisreich sein, wie der Whangarei-Wasserfall-Abseil-Höhlenbesuchs-Tag. Es kommen auch wieder ereignisreichere Berichte – versprochen.