Coromandel zur Erholung

Nun habe ich also alles gesehen, was mein persönliches Programm für Neuseeland so vorgesehen hatte. Natürlich sind unterwegs neue Ideen und Ziele aufgetaucht, einige davon konnte ich in meinen achtwöchigen Plan einbauen, andere bleiben zunächst unerfüllt. Aber so würde es auch immer bleiben, ganz gleich, wie lange ich auch hier sein würde. Immer gäbe es etwas, was ich noch nicht gesehen und nicht erlebt hätte. In Deutschland kenne ich weitaus weniger, um ehrlich zu sein, als hier in Neuseeland. Dafür schäme ich mich schon fast. Flächenmäßig ist Neuseeland nur ein Stück kleiner. Würde man die Berge ausrollen, wäre es wohl größer. Aber mein Großvater hat schon immer gesagt, dass Größe nichts mit körperlicher Größe zu tun hat – das wäre nur Länge. Insofern ist Neuseeland ganz sicher groß, doch dazu in einem anderen Beitrag einmal mehr.

Nachdem ich Cape Reinga und dem Nordland „Goodbye“ gesagt habe, musste ich noch einen Plan schmieden, was ich nun tun wollte. Die Reise an der Westküste entlang bis Auckland – und dann? Nach Raglan noch einmal und dann surfen lernen – in zwei Tagen, die mir verbleiben, ein etwas hastiger Ansatz, surfen lernen kann ich auch anderswo auf der Welt, es muss nicht immer Neuseeland sein. Vielleicht auf die Coromandel-Halbinsel, zurück nach Cathedral Cove und Hotwater Beach. Leider gab es dort keine Zimmer, wie eine kurze telefonische Anfrage ergab. Also mit dem Finger auf der Karte an der Küste entlang und über Whakatane und kleinere Ortschaften weiter bis Mount Maunganui. Mount Maunganui! Natürlich! Da hätte ich auch eher drauf kommen können, ich hätte nur meine eigenen Blogbeiträge lesen müssen. Es ist der Ort, der mir am meisten gefallen hat in der Gesamtheit. Also buchte ich mich wieder im Seagull Guesthouse ein und musste gleichzeitig feststellen, dass ich nicht drei Nächte, sondern nur eine bleiben kann. Ausgebucht. Die Hauptsaison ist lange vorbei, aber der Besucherstrom in Neuseeland will und will in diesem Jahr einfach nicht abreißen. Alle Hostel-Besitzer sind verwirrt, gleichzeitig aber natürlich auch begeistert. Das schöne Wetter tut sein übriges und so muss ich mir eine Alternative suchen. Da ich Tauranga, direkt vor den Toren von Mount Maunganui, bisher nur von der Durchreise bzw. aus der Ferne kannte, buchte ich ein Zimmer im YHA Tauranga, direkt am Highway, aber dafür unfassbar grün, ruhig und sauber. Endlich auch mal ältere Backpacker – das hatte ich auf meiner gesamten Reise nicht. Vielleicht muss man ab und an abseits der hippen und coolen Plätze aufschlagen, wenn man sich dem Jugendwahn hier entziehen möchte.

Was also soll ich noch sagen? Über Mount Maunganui ist alles gesagt. Auch dieser Besuch ar schön, entspannend und von Sonne und freundlichen Temperaturen eingerahmt, wie ein Sommergemälde. Den perfekten finalen Touch erhielt mein Ausflug nur durch unseren Guide von Haka-Tours, der mit seiner deutschen Freundin zufällig in der Gegend war. Seit der Tour stehen wir in Kontakt, mal per SMS, mal per Facebook. Und dann taucht er in Mount Maunganui auf und für mich schließt sich ein kleiner Kreis. Irgendwie schön, ihn wiederzusehen. Einen ganzen sonnigen Nachmittag verbringen wir mit Erzählungen, Spaziergängen und gutem Essen und Trinken. Ich erzähle von meinen Erlebnissen, er von seinen und seinem Umzug. Irgendwie haben wir uns angefreundet und es ist schön, dass er sich die Zeit genommen hat, das ist ja keinesfalls selbstverständlich. Als die Sonne hinter Mount Maunganui versinkt und es am Strand kalt wird, schwimme ich noch ein paar Runden im Meer und beobachte in der untergehenden Sonne die Surfer. Ja, ich bin hier nur im Urlaub. Nur auf Durchreise. Aber ich könnte hier leben und arbeiten. Es sind die Menschen, die mir das Gefühl geben, hier auch ein wenig zuhause zu sein. Immer wieder habe ich auf meiner Reise gehört, dass ich zu optimistisch bin und Urlaub nicht mit Arbeit und Alltag verwechseln darf. Stimmt. Tue ich auch nicht, ich bin bestimmt nicht für meine Naivität bekannt, auch wenn ich seit Geburt blauäugig bin. Aber in Mount Maunganui möchte ich nicht an Arbeit und dergleichen denken – es ist ein Ort der Ruhe und der Erholung, ein Rückzugsort. Hier werde ich meinen Akku noch einmal randvoll laden, bevor es dann nach Auckland und dann zurück nach Deutschland geht. Denn eines kann man auf der Coromandel Halbinsel besonders gut: sich erholen.