Abenteuer Flughafen Dubai

Streng genommen könnte man die Überschrift auch zu Abenteuerflughafen Dubai betiteln, beide Varianten erscheinen mir sinnvoll. Nachdem mein Flieger aus Auckland via Brisbane gut eine Stunde zu früh in Dubai gelandet war, musste ich mir um fünf Uhr morgens noch ernsthaftere Gedanken darüber machen, was ich wohl bis zum frühen Nachmittag und meinem Weiterflug nach Düsseldorf anstellen könnte. Woher diese Zeitaufholung stammt, kann ich nur mutmaßen. Schon auf der ersten Etappe von Auckland nach Brisbane machten wir fast fünfzig Minuten auf einer Flugzeit von etwas unter vier Stunden gut. In meinen Augen lag es am A380, mit dem ich von Auckland bis Dubai fliegen durfte. Wie beeindruckend dieser Airbus ist, haben andere und vor allem fachkundigere Menschen schon beschrieben. Mich hat dieses Fluggerät einfach nur fasziniert, denn es erinnert mich an Hummeln. Die können – laut dem Gesetz der Aerodynamik – nicht fliegen. Sie kennen das Gesetz aber nicht und fliegen einfach trotzdem. Irgendwie scheint der A380 auch so ein Ding zu sein, vor allem, weil er trotz der immensen Triebwerke und Abmessungen im Innenraum deutlich leiser ist, als seine Konzern-Brüder und -Schwestern sowie die Konkurrenz, den Dreamliner nehme ich mal aus, den habe ich auch noch nicht als fliegenden Untersatz gehabt. Was ich ja auch nur sagen wollte: Vermutlich lag es also an diesem Flugzeug, oder doch eher an starken Südwest-Winden, da darf sich jetzt jeder seine Version aussuchen. Kombinationen sind auch möglich und zulässig.

Da waren nun also gute neun Stunden Dubai-Aufenthalt mit Leben zu füllen. Klarer Fall: Rein in die Stadt. Hatte ich mir so leicht vorgestellt, stellte sich aber als fast schon gordischer Knoten heraus. Hier meine Theorien, warum es Besuchern von Dubai so schwer gemacht wird, aus dem Flughafen heraus und in die Stadt zu gelangen.

  • Version A: Weil die Besucher dann genötigt sind, im Flughafen zu bleiben, die Malls und Duty Free Bereiche zu durchlaufen und aus lauter Frust viele Sachen kaufen.
  • Version B: Weil es im Prizip keinen Unterschied macht, ob man die Air Condition und die Mall am Flughafen besucht, oder eine der zahlreichen Malls in der Innenstadt – ausgenommen die geringere Anzahl genervter Reisender und Koffer.
  • Version C: Weil es an einem Usability-Experten fehlt, der einfach einmal Struktur und Ordnung in das heillose Durcheinander des Airports bringt – das hat der Amsterdamer Flughafen Schiphol auch einmal gemacht und das Ergebnis ist beeindruckend und wird, mit Ausnahme von Dubai, in aller Welt gerne kopiert.

Zugegeben, der Flughafen hier ist riesig. Vermutlich einer der größten Flughäfen, die ich je betreten habe. Die Wege sind enorm und schlecht ausgeschildert. Was also tun, wenn man im Terminal 3 im Bereich des Gate A ankommt und in die Stadt möchte? Auf keinen Fall die Hoffnung verlieren und fragen, fragen, fragen. Man erhält Antworten vom Schlag „Ich weiß nicht.“ über „Sie dürfen das Terminal nicht verlassen!“ bis hin zu den fast richtigen Antworten. Meine Lieblings-Antwort war: „Gehen Sie nach unten und fragen dann nochmal.“ – ah ja. Nach unten kommen ist schon schwer genug, hier also mein Tipp: Unbedingt der Beschilderung zu den Gates B + C folgen. Dazu muss man mit einer Art Zug von A nach B + C fahren. Dort aussteigen, rechts halten und am kleinen Aufzug vorbei zu den großen Aufzügen. Dort nach oben fahren und – jetzt kommt der Clou – rechts halten, auf die Aufzüge rechter Hand. Dort nach unten fahren und schon ist man an der Passkontrolle zu den Ausgängen. Dann die Schalter für „Visum bei Ankunft“ suchen und schon kann man das Gebäude verlassen. Wenn man erst einmal weiß, wie es geht, ist es ganz simpel. Ich habe mehr als eine Stunde mit fragen und herumlaufen verbracht. Möglicherweise habe ich eine Aufgabe gefunden, werde mich umgehend bei den Scheichs bewerben – Usability kann ich ja.

Wenn man dann durch die Passkontrolle ist, steht man vor der Frage, wie man denn in die Stadt kommen möchte. Mit dem Bus, mit dem Taxi oder mit der Metro. Letzteres würde ich jederzeit empfehlen – es geht schnell (etwa 20 Minuten), ist kostengünstig und man kommt direkt dahin, wo man hin möchte. Das gilt zwar umso mehr für das Taxi, was wohl auch nicht so teuer sein soll, aber ich rede mir ja immer noch ein, dass ich Backpacker-Style reise, also spare ich hier und da etwas Geld, was ich dann für andere Dinge raushaue. A propos Geld: Für gut 300 EUR hätte ich auch morgens meinen Flug umbuchen können und wäre dann schon um kurz vor neun Uhr in Richtung Düsseldorf entflogen. Das war es mir dann aber doch nicht wert und jetzt bin ich auch froh darüber, denn ein weiterer Stempel ziert meinen Reisepass und ich kann auch für Dubai sagen: „Been there, done that“.

Dubai ist von meiner Liste gestrichen. Abgehakt. Hier ist es mir aktuell zu laut, zu stickig, zu staubig, zu hektisch. Ich bin Neuseeland gewöhnt und ein wenig schockiert mich die arabische Direktheit. In zwei Minuten Ampelstehen in Dubai habe ich häufiger Pöbeleien und Huperei gehört, als in drei Monaten Neuseeland und Australien. Und das sagt meiner Meinung nach alles. Für mich ist Dubai eine Shopping-Wunderwelt. So etwas wie das Las Vegas für Shopaholics. Eine Mall reiht sich an die nächste. Die Architektur der Hochhäuser ist zumeist langweilig, sieht man mal von prestigeträchtigen Bauten wie dem Burj Khalifa oder den anderen Burjs ab. Dann gibt es da noch die Insel-Projekte, aber mangels Helikopter habe ich mir das dann geschenkt. Wer nun denkt, dass er „mal eben“ auf das höchste Gebäude der Welt hochfahren kann, sieht sich bitter getäuscht. Da muss man – am besten weit im voraus – einen Termin reservieren. Und der Besuch ist nicht gerade günstig, auch das soll nicht verheimlicht werden. Dagegen ist ein Besuch auf dem Empire State Building oder dem Rockefeller Center geradezu preiswert. Also nicht hoch, sondern ehrfürchtig von unten gucken. Draußen in der Sonne trifft man nicht so viele Menschen, die sind alle immer drinnen. Kann ich verstehen, heute ist es bedeckt und dennoch war es um fünf Uhr morgens schon gute 25 Grad warm. Schmierig warm. Dank Air Condition ist es aber überall gut auszuhalten und somit tummelt sich das Leben fernab der Sonne – irgendwie auch doof, wenn man in einem Land ist, das gerade davon mehr als genug hat und anstelle von Sonnenlicht tausende Leuchten bemüht. Was ich mir gut vorstellen kann ist Dubai bei Nacht. Hatte ich auf meinem Hinflug gesehen, war sehr spektakulär. Auch beim Einfliegen sah es großartig aus, leider war meinen Fotobemühungen die unfassbar große Tragfläche des A380 im Weg. Für mich bleibt Dubai nur ein Zwischenstopp. Vielleicht ist mir irgendwann im Winter einmal langweilig und ich sehne mich nach Shopping und Wärme. Dann könnte ich mir Dubai eventuell vielleicht und überhaupt vorstellen. Aber selbst dann gibt es noch andere, reizvollere Destinationen. Und ich befürchte, dass bis zu meinem nächsten Besuch das Aus-dem-Flughafen-Herauskommen wieder verändert und erschwert wird, das hat ganz sicher System.